Meine Geschichte


- Langfassung -


Für alle, die Lust und Zeit haben, meine ganze Geschichte zu entdecken, gebe ich hier einen ganz persönlichen Einblick in mein Leben – mit all seinen Höhen und Tiefen.

Mein Leben bis heute

Im Folgenden möchte ich dir einen ganz persönlichen Einblick in mein Leben geben. Das Leben ist eine Berg- und Talfahrt – voller Höhen und Tiefen – und genau das macht es lebendig und echt. 

Ich wurde 1994 in Jever geboren. Meine Kindheit war, wie man so sagt, „völlig normal. Kindergarten, Grundschule, Realschule, Abitur. Meine größten Freuden waren Sport und Reiten. 

Meine Eltern führten eine kleine Bäckerei in Carolinensiel, über der wir auch wohnten. Jeden Morgen roch es nach frischen Brötchen, und nachmittags gab es oft ein Stück Kuchen. Doch trotz der Nähe waren meine Eltern durch ihr Geschäft sehr eingespannt. Ihre häufigen Streitereien belasteten mich als Kind sehr – ich wünschte mir Frieden und Harmonie. Oft schaute ich damals die „Super-Nanny“ im Fernsehen und träumte davon, später selbst Familien zu helfen. Gerade bei Kindern, Jugendlichen und Frauen mit Essstörungen ist es wichtig, die Systeme zu betrachten, in denen sie leben und aufgewachsen sind.

Während meines Abiturs bin ich mit meinem größten Schwarm zusammengekommen – für mich war das damals die schönste Zeit in meinem Leben. Meine größte Schwäche in der Beziehung war jedoch meine Eifersucht, die am Ende dazu geführt hat, dass mein damaliger Freund sich von mir getrennt hat. Für mich brach eine Welt zusammen und ich hatte jahrelangen Liebeskummer.

Kurz nach der Trennung habe ich mich für ein zehnwöchiges Fitness- und Ernährungsprogramm angemeldet. Theoretisch hätte ich das Programm nicht gebraucht, denn ich hatte schon als Kind das Glück, essen zu können, was ich wollte, ohne zuzunehmen (meine Hauptspeise war vermutlich Nutella). Doch irgendetwas in mir wollte dieses Programm unbedingt machen – und ich habe es zehn Wochen lang konsequent durchgezogen.

Ich war fünf- bis sechsmal die Woche im Fitnessstudio, habe mein Essen genau abgewogen und hatte nur einen Lebensmittelpunkt: Sport und gesunde Ernährung. Ich war schon immer sehr ordentlich und perfektionistisch, habe damals aber nicht hinterfragt, ob es normal ist, Haferflocken zurückzupacken, wenn es 52 statt 50 Gramm waren.

In dieser Zeit hatte ich wenig Lebensqualität, denn ich machte mir enormen Druck, die Pläne einzuhalten und hatte kaum Zeit für Freundschaften. Mit Freunden ins Restaurant zu gehen, kam für mich gar nicht infrage. Wenn Geburtstage anstanden, habe ich oft abgesagt. Wenn meine Mutter mich zum Essen einlud, habe ich für mich extra gekocht. Puh, das war eine anstrengende Zeit.

Während des Programms habe ich besonders auf eines hingefiebert: den Cheatday, der Teil des Programms war. Nach zehn Wochen endlich wieder an einem Tag alles essen zu dürfen, was ich wollte – Schokolade, Brötchen, Croissants und all die Leckereien, die während des Programms verboten waren. Ich kann mich noch genau an den 71. Tag erinnern, auch wenn er schon über zehn Jahre zurückliegt.

Nach den zehn Wochen und dem heiß ersehnten Cheatday habe ich das Programm ähnlich fortgeführt, allerdings mit dem Unterschied, dass ich sechs Tage die Woche „gesund“ gegessen habe und einen Cheatday pro Woche eingeplant habe. Das war natürlich mein Lieblingstag, auf den ich die ganze Woche hingefiebert habe.

Zusammenfassend kann ich sagen: Durch das Programm habe ich krankhaft Kalorien gezählt und bin letztlich in die Magersucht gerutscht. Eines Tages wurde aus einem Cheatday eine Cheatwoche. In den folgenden Wochen hatte ich nur noch Fressattacken, die nicht mehr zu stoppen waren. Ich habe mich sozial völlig zurückgezogen und in meiner eigenen Bubble gelebt – zwischen Kontrolle und Kontrollverlust.

In kürzester Zeit habe ich 15 Kilo zugenommen – der typische Jojo-Effekt nach der „Diät“, die ich doch gar nicht gebraucht hätte. Während der zehn Wochen habe ich mir zwar Disziplin und Stärke bewiesen und dadurch mehr Selbstbewusstsein gewonnen. Doch in den Wochen danach war kaum noch etwas von meinem Selbstbewusstsein übrig und mein Selbstwertgefühl sank weiter.

Ich fühlte mich hässlich, dick und wie eine Versagerin. Mein Liebeskummer war immer noch präsent und ich war einfach verloren. Während dieser Zeit entwickelte sich bei mir eine Sport-Bulimie, die später in ein Binge-Eating überging. Auch nachdem ich die Essstörung überwunden hatte, kämpfte ich noch lange mit emotionalem Essen. Ich wollte so gerne wieder glücklich und unbeschwert leben – doch jeder Tag war ein Kampf. 


Dank meines Vaters bin ich während dieser Zeit zu einem Coaching gegangen, denn ich war zutiefst verzweifelt, fühlte mich hilflos und allein. Dieses Coaching war der Beginn von etwas Großem: Ich habe so viel geweint, gelernt, erkannt, geheilt, Blockaden gelöst und Themen aufgearbeitet. Schritt für Schritt habe ich immer mehr zu mir selbst gefunden.
 

Noch heute gehe ich zu meiner damaligen Coachin, wenn ich ein Thema habe, bei dem ich alleine nicht weiterkomme – und ich bin ihr so dankbar für all die gemeinsamen, intensiven Stunden. Nach jeder Sitzung bin ich so frei, erfüllt und dankbar zurückgefahren. Ohne sie wäre ich heute nicht der Mensch, der ich bin. 


Ich habe viele wertvolle Bücher gelesen, mich mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt und zahlreiche Methoden auf meinem Heilungsweg ausprobiert. Außerdem war ich zweimal in einer auf Essstörungen spezialisierten Klinik. Der Weg war lang und voller Höhen und Tiefen, doch am Ende macht alles Sinn – auch wenn mein Weg natürlich noch nicht zu Ende ist.

Der Weg mit der Essstörung dauerte über zehn Jahre und trotzdem bin ich heute dankbar, diese Aufgabe bekommen zu haben. Denn das Leben stellt uns oft dieselbe Aufgabe, bis wir sie gelöst haben.

Wenn mein damaliger Freund sich nicht von mir getrennt hätte und ich keine Essstörung gehabt hätte, gäbe es diese Homepage vermutlich nicht. Mein Weg hat mich immer wieder dazu „gezwungen“, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen.
 

Ich habe im Laufe der Jahre verstanden, dass der Weg das Ziel ist. Ein Satz, der mich vor kurzem besonders geprägt hat, lautet: „Du hast erst ausgelernt, wenn alle deine Finger gleich lang sind.“ So ist es – man ist nie fertig. Das Leben stellt uns immer wieder vor neue Herausforderungen, aber genau das ist Leben.

Heute weiß ich, dass ich dem Leben vertrauen kann und dass es immer für mich ist. Ich sehe mich nicht mehr als Opfer, sondern übernehme Verantwortung für mein Leben und mich. Natürlich ist das nicht immer leicht, aber wenn ich eines gelernt habe:

Keiner holt dich da raus. Keiner kann dich oder dein Leben verändern. Du musst dich selbst auf den Weg machen. Und wenn du das wirklich willst, kannst du es schaffen – so wie ich es geschafft habe.

Natürlich bin ich noch nicht dort, wo ich gerne sein möchte. Auch ich stolpere immer wieder über den Glaubenssatz „Ich bin (noch immer) nicht gut genug.“ Doch auch wenn ich es nicht immer bewusst fühle, weiß ich tief in meinem Herzen, dass ich gut bin, so wie ich bin.

Das bedeutet nicht, dass ich mich nicht weiterentwickeln möchte, aber es heißt, dass ich mich annehmen kann, zufrieden bin und die Themen, an denen ich noch arbeiten möchte, akzeptiere und Schritt für Schritt bearbeite. Denn vieles im Leben ist ein Prozess und kann nicht von heute auf morgen verändert werden. UND: PERFEKTION GIBT ES NICHT! 

Das Leben ist auch nicht schwarz-weiß, es ist bunt!